Charakterliste
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gespielt von Jani
23 Jahre
Reiter
„Der Tod ist nichts Schlimmes, Yiannis. Malek wird mich mit offenen Armen empfangen und irgendwann werden wir uns wiedersehen.“ Seine Mutter sprach leise, lehnte ihre Stirn bei den Worten an seine. Ein zaghaftes Lächeln auf den Lippen. Sie war nie ängstlich gewesen – nicht in seiner Kindheit, wo sie seine Vorliebe fürs Klettern mit einem Stirnrunzeln hingenommen hatte und auch nicht im Anblick ihres Ablebens. Sie hatten sich darauf vorbereiten können, auf diesen Tag und diese letzten Stunden. Es zu erleben war dennoch etwas anderes. Sein Herz schien langsamer zu schlagen, die Welt war dabei stehen zu bleiben. Nicht für alle, aber für ihn. Er wusste, dass es nicht fair war, sie zu verlieren. Dass sein Vater nicht die Kraft haben würde, weiterzumachen. Schon jetzt musste er ihn an den meisten Abenden in den Tavernen der Stadt ausfindig machen. „Sei nicht wütend.“ Er wünschte, er hätte das bedingungslose Vertrauen seiner Mutter in die Götter geerbt. Aber so war er nie gewesen – zu hitzköpfig, zu temperamentvoll, zu eigensinnig hatte er nie jemand anderen als sich selbst zur Verantwortung ziehen können. Töricht, würde sein Vater ihn später nennen. Nutzlos. Worte, die sich wie Gift in seine Gedanken nisteten und ihn an seinem Vorhaben zweifeln ließen, mehr aus sich zu machen. Dabei hatte es nicht viel gebraucht, um es wahr werden zu lassen. Eine Prise Mut, eine gewisse Vorbereitung und eine einzige Person, die sich die Mühe gemacht hatte, ihn tatsächlich zu sehen. An ihn zu glauben.
Reiter zu werden war keine Entscheidung gewesen, die er leichtfertig getroffen hatte. Es war kein Geheimnis, wie tödlich die Ausbildung war. Wie gefährlich jede einzelne Prüfung. Womit er dennoch nicht gerechnet hatte, war die Veränderung, die ein Ort wie Basgiath mit sich bringen würde – in seinem ersten Jahr war es darum gegangen, zu überleben. Darum, Freunde sterben zu sehen. Zu lernen, Verluste mit nicht mehr als einem Nicken hinzunehmen und weiterzumachen. Sich von seinen Gefühlen zu distanzieren und zu funktionieren. Doch es war sein zweites Jahr gewesen, welches letztlich dafür gesorgt hatte, dass er sich endgültig von seinem alten Ich löste – von dem Jungen, der er einst in Lewellen gewesen war. Der Hoffnung empfunden und zumindest in Teilen das Gute in Menschen vermutet hatte.
30 Ingameposts | 09.02.2025, 14:36
Basgiath War College
gespielt von Jella
22 Jahre
Reiterin
Auf deinem Schreibtisch steht eine verzierte hölzerne Box. Du glaubst die Form deiner Finger im Muster zu erkennen, über das du immer und immer wieder gestrichen hast. Es ist das Einzige, was du aus dem Leben davor behalten hast. Konntest nicht dabei zusehen, wie das Feuer sie dir nimmt. Kannst heute nur schwer dabei zusehen, wie sich die Ballerina aus der Box erhebt, wenn du den Deckel öffnest. Diese Box ist klein, klein genug, dass du sie in den Rucksack gesteckt hast, den du wie alle Kinder der Rebellion über das Viadukt tragen musstest. Du hättest dir als junges Mädchen niemals vorstellen können, dass du die Entscheidung, die keine war, selbst mit Wahl getroffen hättest. Du hättest dich nicht in Schwarz, sondern in rosafarbenem Tüll gesehen. Da ist ein leichtes Zittern in deinen Fingern, als du vorsichtig den Deckel anhebst und dabei zusiehst, wie die Figur sich hebt. Du hast nicht gemerkt, dass du den Atem anhältst, aber dort ist ein Automatismus in der Art und Weise wie du nach der kleinen Kurbel greifst und sie zwei Mal drehst. Musik ertönt. Und irgendwie bist du gleichzeitig zwei Versionen von dir selbst, während dein Blick sich auf die schmale Figur legt.
Yvora Cosgrave. Warst fünf Jahre, als du dich auf dem harten Polster eines viel zu großen Stuhls nach vorne gebeugt hast, um zwischen den großen Gestalten vor dir hindurch zur Bühne sehen zu können. Hast den Atem angehalten, als sich die Ballerina auf der Bühne vom Boden abstieß und in die Lüfte erhob. Du warst dir sicher, du hast in deinem Leben nie mehr etwas so Elegantes gesehen. Dein Blick hing auf jeder Bewegung der Tänzerinnen und Tänzer. In deinem Herz wuchs der Wunsch zu sein wie sie. Damals dachtest du sie wären frei. Damals dachtest du, jemand der so schön und elegant und von dem Publikum bewundert ist, kann nicht gefangen sein. Als du es nach dem Auftritt deiner Mutter sagtest, sah sie nur irritiert auf dich herab. Das sei nicht deine Rolle. Deine Aufgabe sei nicht auf Bühnen zu glänzen, sondern neben ihnen nicht negativ aufzufallen. Aber sie sahen in deinem Interesse eine Möglichkeit deine Energie umzuleiten, also bezahlten sie dir Stunden. Die Lehrerin presste dich in eine Form. Ihr Blick glitt abschätzig über deine zu kurzen Beine. Monierte, wenn du zu viel gegessen hattest. Deine Eltern nannten es eine Freizeitbeschäftigung und deine Lehrerin murmelte etwas von hoffnungslos. Also wurde dein Wunsch stumm, aber er starb nicht. Du hieltst in der Mitte deines Herzens fest, flüstertest ihn erst Jahre später noch einmal deinem besten Freund zu, als ihr auf der Wiese vor seinem Haus in den Himmel seht. Er ist der erste, der an dich glaubt. Er ist der, der deinen nächsten Geburtstag mit der Musikbox vor dir steht. Tränen steigen dir in die Augen und du schluckst die herunter. Du versteckst die Box in deinem Zimmer, sowie du deinen Traum versteckst. Aber er bleibt. Als deine Welt in Flammen aufgeht, ist es die Box, nach der du als erstes greifst. Dein Traum stirbt leise, während der Rest Aretias laut in Trümmer auseinanderbricht. Und trotzdem hältst du dich an dem Holz fest. Nicht am Traum, aber an der Erinnerung. Yvora Varkaz. In dem Haus, in welches du ziehen musst, hallt Lachen von den Wänden. Es ist warm und du verstehst es nicht. Du verstehst nicht, warum der Blick, der sich auf dich legt, nicht von dem Hass getragen wird, der Ruinen zurückgelassen hat. Hass, der in dem Blick deiner Eltern schwamm, wann immer sie vom Rest des Landes gesprochen haben. Du weißt, dass deine Eltern dich nicht gehasst haben, aber in der Stille eures Hauses warst du eher lästig als erwünscht. Deine Meinung war nicht wichtig, ihre aber schon. Die Erinnerungen – sie brennen auf deiner Haut, wann immer du den Blick senkst, aber die Varkaz‘ tun’s nicht. Sie sehen in dein Gesicht nicht auf die schwarzen Linien. Und irgendwann erkennst du, dass sie versuchen dich zu sehen, anstatt dem, was du nicht sein darfst. Brauchst drei Monate, um das erste Mal mitzulachen, als am Tisch jemand einen Witz machst. Brauchst sechs Monate, um anstatt der Höflichkeitsfloskeln etwas zu sagen, was dir durch den Kopf geht und was du sonst immer zurückgehalten hast. Und trotzdem hältst du den Atem an, nachdem du’s getan hast, weil du Angst hast, dass Stille ausbricht. Tut’s nicht. Du lernst mit ihnen zu reden. Lernst all das, was du beobachtest hast, auch selbst kennen. Irgendwann fühlt’s sich fast an, als wärst du Teil davon und der Traum in deinem Herzen wird ein anderer. Erzählst ihnen von deinem alten Traum und bekommst wieder Ballettstunden. Und du merkst, dass es nie ums Tanzen ging, sondern immer nur darum, dass jemand hinsieht. Dich sieht, anstatt nur an dir vorbei. Ist irgendwann kein falscher Stolz mehr, der deine Schultern durchstreckt, sondern echter. Ist Wärme, die durch deinen Blick wandert, wie es Schälchen beim Essen tun. Alle anderen haben am Tag der Rebellion etwas verloren und du? Du hast etwas gewonnen, was in dein Herz einzieht und von einem Traum spricht, den du nie wusstest, dass du ihn hattest. Du hast vielleicht keine Wahl, wenn’s darum geht, dass du nach deinem 20. Geburtstag über das Viadukt musst. Aber du hast eine Wahl, als sie dich fragen, ob du auch ganz offiziell Teil der Familie sein willst. Du hast eine Wahl, als sie fragen, was dir Spaß macht. Du hast eine Wahl. Und du würdest dich immer wieder für die Varkaz entscheiden. Deswegen glaubst du, du kannst dich nur gegen dein vorheriges Leben entscheiden. Du kannst nicht beides sein. Und doch bist du’s. Träumerin und Tänzerin und Reiterin.
3 Ingameposts | 23.12.2025, 19:34
Basgiath War College
gespielt von Maj
21 Jahre
Reiterin
Mit ihren 21 Jahren ist Yevhen Vryndor die Blaupause einer (angehenden) Drachenreiterin. In ihrem Juniorjahr am Basgiath War College hat man ihr das Abzeichen der Staffelführung für die 3. Staffel des Klauenschwarms im 1. Geschwader angeheftet – und ihr damit die Herausforderung gestellt, aus einer Gruppe von Einzelkämpfern im Idealfall eine Einheit zu formen; und ansonsten wenigstens fähige Drachenreiter, die das College überleben und sich anschließend auf eine andere Militäreinheit einlassen können. Ob sie gezeichnet sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Denn wer sei sie, den Befehl des Commanding Generals zu ignorieren, der sich eindeutig für eine Ausbildung des Rebellennachwuchses ausgesprochen hat?
Oder wer sei – nein, ist sie eigentlich überhaupt? Das ist eine Frage, die sich eigentlich nie gestellt hat. Vorgezeichnet seit ihrer Geburt war Yevhens Weg stattdessen. Hineingeboren in eine Reiterfamilie, mit einem Vater als konkretem Vorbild, der mittlerweile Lehrer am BWC ist, und der Unterstützung eines ganzen Stützpunkts gab es nichts anderes als den Wunsch, ebenfalls Reiterin zu werden. – Und anschließend zu desertieren und Poromiel mindestens diesen Drachen und im besten Fall auch Waffen und Informationen übergeben zu können? Manche ermunternden Sätze ihrer Mutter hallen in Yevhens Erinnerung jedenfalls mit genau jener Intention wider – und es gibt keine Möglichkeit mehr, sie zu fragen. Dass ihre Mutter poromische Späherin war, hat Yevhen erst zu spät erfahren. Vier Jahre war ihre Mutter damals schon tot. Sie ist umgekommen in einer Rebellion, die Yevhens Vater mit Gezeichneten hadern lässt, während sie selbst weiß: Sie kann froh sein, nur Halbwaise zu sein und lediglich das Drachenmal auf ihrer Haut zu tragen. Oder wäre sie ebenfalls hingerichtet worden? Das ist eine der unbeantworteten Fragen, denen Yevhen sich nicht stellt. Sie versteht sich bestens darauf, diese nach hinten zu schieben und sich stattdessen auf das zu konzentrieren, was sie kann: Angehende Drachenreiterin und Führungskraft zu sein, die (außer sich selbst) niemanden zurücklässt; die Herausforderungen nie unterschätzt, nie den Fokus verliert – oder ohnehin (fast) alles zu nüchtern-ernst nimmt. Wer ihr nachsagt, eines Tages Commanding General zu werden, meint das jedoch nicht unbedingt als Kompliment.
18 Ingameposts | 20.04.2025, 11:46
Basgiath War College
gespielt von Berrie
33 Jahre
Sonstige
Die Uhr schlägt Mitternacht; doch du bist wach. Bist’s nie nicht, bist immer da, immer auf, die Lider schwer; doch du bist wach. Schatten tanzen an den Wänden deiner kleinen Wohnung, sparsam ist sie, bietet Bett und Tisch, Stuhl und Bad, doch mehr nicht. Mehr nicht. Kaum persönlich, kaum Zuhause, nur ein Ort zum
Wo ist der Junge hin, der du gewesen bist? Du zählst einen Geist, zwei Geister, drei Geister. Sie verfolgen dich, sind deine Geißel. Hast nichts tun können. Zu weit weg. Nur ein einfacher Soldat. Unwissend. Gibt mehr Argumente für als gegen dich, doch du liest sie anders. Als wär die Schrift, die vor dir liegt, gar nicht echt. Als könntest du die Buchstaben einfach anders anordnen. Hast alles hinter dir gelassen. Erst deine Familie. Dein Zuhause. Dann deine Aufgabe. Deine Zukunft. Nur noch Scherben vor dir und du trittst willentlich rein. Wie ein Mahnmal. Narben an deinen Füßen, Narben auf deinem Herzen. Schaffst es nicht in die Heimat. Nicht nachhause.
1 Ingameposts | 26.11.2025, 13:43
Zivil Navarre
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