Charakterliste
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gespielt von alice
30 Jahre
Reiterin
Es donnert.
Regen peitscht dir ins Gesicht. Blitze zucken links von dir, rechts von dir, über dir. Deine Hand rutscht über spiegelglatte Schuppen, aber du kennst jeden Dorn, jeden Stachel, jedes Horn. Könntest blind über den Rücken deines Drachen tanzen (aber nicht wenn um euch so ein heftiger Sturm tobt; oder: dann nur, wenn’s unbedingt sein muss, wenn’s gar nicht anders geht). Das hier fühlt sich wie Freiheit an. Der Wind zieht an dir, will euch trennen, will ihn nach hinten drücken, niederreißen, aber er legt die Flügel an und du kannst sein düsteres Lachen bis in die hinterste Ecke deines Schädels spuken hören — er liebt dieses Wetter mindestens so sehr wie du (und wie du ihn). Statt im Sturzflug nach unten zieht’s ihn nach oben, nie weg von der Gefahr, sondern immer mitten rein (ihr seid euch echt so gleich), direkt ins Herz aus pechschwarzen Wolken, Donnergrollen und der puren Energie, die euch so sehr vertraut ist, weil sie auch unter deiner Haut sitzt. Zwei Herzschläge, die inne halten, ihr amtet nicht, aber ihr tut’s im Einklang — kurz ist alles so dunkel, dass du nichts mehr siehst, dann bricht er durch die Wolkendecke und es ist vorbei. Jetzt heult der Sturm unter und ohne euch. Du lässt dich nach hinten fallen, Blick in den Himmel. Wenn ihn die Sonne berührt und er noch regennass ist, dann wirken seine sehr, sehr blassen, extrem hellbraunen Schuppen fast als wär er weiß; kein Wunder, dass man ihn Ghost nennt. Und, weil ich den Tod bring. Du nickst; und deswegen. Und weil er in jedem Sturm genau das ist: ein Geist, taucht ganz plötzlich unter, über, hinter dir auf, im grau-schwarz-Mix von Gewitterwolken erst schwer zu sehen, doch dann, wenn ein Blitz direkt neben ihm aufzuckt, dann wirklich beinah weiß. Ihr bringt den Tod zusammen. Wenn’s nach dir geht, dann könntest du ewig mit ihm da oben bleiben. Ist nicht so, als würdest du die Verantwortung scheuen, die unten auf dich wartet (das tust du nie, deine Schultern sind schmal, zierlich, aber sie tragen viel), nicht so, als ob du die Abwesenheit anderer Menschen gut finden würdest (nicht generell, im Gegenteil, du magst Nähe, eine kleine Berührung hier, eine zufällige Hand an einem Arm dort), ist nicht so, als ob du nein sagen würdest, zu einem gemeinsamen Abend mit Freunden, einem vollen Krug Bier (nie zu Zeit, die du nicht allein verbringen musst) und es ist nicht so, als wüsstest du nicht, dass dich spätestens die drei kleinen Herzchen auf vier Pfoten zurück nach unten ziehen würden (und die Blumen, die niemand gießt, wenn du’s nicht tust) — aber hier oben fühlt sich alles andere kurz klein und unbedeutend an (nicht so wie sonst), und zwischendurch genießt du das. Nur kurz: einatmen, ausatmen, frei atmen. Alles ist so leicht wie du’s andere gern denken lässt und wie du’s wirklich gern hast. Du musst nicht an die Lügen denken, die dir wie Zucker über die Lippen kommen (weil eine Rebellion eben das mitbringt: lügen — und wer würde diesem Augenaufschlag nicht jede Lüge glauben?), nicht an deine Eltern, die du endlich wieder besuchen willst (weil du nicht weiß, wie lang’s noch geht), oh und nicht an den Mann, der sich wie’n Parasit zwischen deine Rippen schiebt (auch, wenn du das noch gar nicht siehst) — nein, hier oben ist’s nur du und Ghost. Und manchmal reicht das einfach aus.
19 Ingameposts | 30.04.2025, 09:24
Militär Navarre
gespielt von Jani
21 Jahre
Reiter
Ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Bin zumindest nicht mehr einfach nur Kallias, wie ich es zu Schulzeiten war. Werd‘ nicht mehr für den Klassenclown gehalten, auch wenn ich mich immer wieder aufs Neue in Situationen manövriere, in denen man die Augen über mich verdreht, in denen sich die Mundwinkel nach oben heben. Situationen, die mich überfordern, weil ich mich nicht richtig auszudrücken weiß. Weil ich mit allem, was ich fühle, nicht immer zurechtkomme. Vielleicht versuch‘ ich zu sehr an etwas festzuhalten, was es nicht mehr gibt: an mir selbst. Erkenn‘ nicht nur in meinem Spiegelbild die Veränderungen der letzten Jahren, sondern auch in meinen Ängsten und Gedanken. In der Hoffnung
Vielleicht wäre es leichter, wenn ich zumindest dem Gerede um mich herum entgehen könnte. Den Worten anderer ausweichen könnte, weil sie immer schon zu viel Macht über mich gehabt haben. Ihre Meinungen, ihr Geflüster. Die Angst, andere zu enttäuschen. Zuerst war’s nur ein Rauschen, wie Wind, der durch Blätter fährt. Dann kamen die Stimmen, übereinandergelegt, als hätte jemand dutzende Gespräche gleichzeitig aufgedreht. Schritte. Das Klirren von Metall. Das Knarren eines Stuhls. Es war alles dort, alles auf einmal in meinen Ohren, in meinen Gedanken, in meinem Kopf. Urteile und Einschätzungen, die ich nicht hören wollte und um die ich nicht gebeten habe. Seither ist Stille für mich fremd, auch wenn man denken sollte, dass andere in Anbetracht meiner Siegelkraft der Schallsuche verstummen würden. Stattdessen scheinen sie mir ihre Gedanken geradewegs ins Gesicht schreien zu wollen; Sohn von Verrätern genannt zu werden, ist dabei wohl noch eine der netteren Aussagen. Anfangs hat’s mich verletzt. Anfangs hab‘ ich mich gefragt, wieso man so über mich redet, ohne mich zu kennen. Dass ich niemanden verraten habe. Dass meine Eltern loyal waren. Inzwischen schaff‘ ich es immer besser, es auszublenden – die Geräusche, das Geflüster, die Zweifel. Vermutlich für mein eigenes Wohl, aber vielleicht auch für das der anderen Kadett:innen. Für die, die keinen Hehl aus ihrer Abneigung machen. Denn ich bin wütend. Ich bin nicht mehr wie damals, nicht mehr nur Kallias. Und auch wenn’s mir früher fremd gewesen ist, so versteh‘ ich’s jetzt. Wut und Hass und der Wunsch nach Rache. Vielleicht nicht für meine Familie, nicht für meine Heimat, aber für die Ungerechtigkeit und Grausamkeit, die dem allen zugrunde liegt.
2 Ingameposts | 23.12.2025, 19:34
Basgiath War College
gespielt von Miri
32 Jahre
Reiter:in
Charlotte.
Deine Mutter ruft aus vollem Hals. Die Zöpfe haben sich halb aufgelöst, du sitzt Oben auf dem Ast. Herz hämmert dir in der Brust. Charlotte —! Das Rufen schreckt umliegende Vögel auf. Du drückst dich noch dichter an den Baum, ans Holz, versuchst eins zu werden mit der Natur. Klitzeklein. So wie du dich fühlst, wenn sie diesen Namen benutzt. Das Kleid ist dreckig und sichtbar in Mitleidenschaft gezogen worden. Auf der Flucht müssen Opfer gebracht werden, das hier bringst du nur zu gerne. Sie sagt: du bist so ein hübsches Mädchen, wenn du es nur besser zeigen würdest. Und wenn du in den Spiegel siehst, dann siehst du Sommersprossen und die Stupsnase, die aufmerksamen Augen, die Stirn leicht in Falten. „Du bist hübsch“, sagt sie, weil sie nicht glauben kann, dass es das andere Wort ist über das du stolperst: Mädchen. Lange Zeit bedeutet es sich verstellen zu müssen, verkleiden, jemand anderes zu sein. Es bedeutet sich den Dreck von den Fingern schrubben zu lassen und sich die Ohren zuzuhalten, wenn deine Mutter mit deinen Großeltern schimpft. Das Wort bedeutet gar nichts für dich und viel für andere. Sie schreit als du dir das erste Mal die Haare abschneidet, weint fürchterlich, flucht, sie wird so wütend, als hättest du bei ihr die Scherze angesetzt, nicht bei dir. Für sie ist das Wort eine Erwartung, ein Käfig, ein Rock der nicht dreckig werden darf, ein Lachen das nie zu laut wird. Oma sagt: so ein Quatsch. Als sie dir die strubbeligen Fransen zurecht schneidet, dir das Holzschwert in die Hand drückt. Sie sieht zu wie du kämpfst, kämpfst, kämpfst, den Ehrgeiz immer so deutlich in dem verbissenen Gesichtsausdruck. Mein hübsches Mädchen, flüstert sie dann. Und du lächelst. Manchmal, weil’s sich dann und wann richtig anfühlt. [Charlotte, Sie.] — Weiblichkeit passt und passt nicht. Fühlt sich manchmal an wie die Winterjacke im Sommer, stickig, falsch. Manchmal genau richtig, wie der Ohrring, den du immer am rechten Ohr trägst. Passt, wenn du es loslöst von dem Wort, das deine Mutter zu formen versucht hat und dir ansiehst, was es stattdessen alles bedeuten kann (alles). Bunt und wild und frei. Alles. Alles. Alles. Charles. Von deinem Großvater lernst du beinahe alles. Er ist der Erste, der die Wut in deinem Bauch versteht und der dir ein Ventil gibt. Er’s da, wenn du schreien willst (und du kannst schreien, laut), er’s da, wenn du ihm erzählst, dass du Probleme hast. Mit anderen Kindern, mit deiner Mum, mit dir selber. Er zeigt dir Wege mit deinen Problem umzugehen, Mittel, die du heute noch anwendest. Wenn du innerlich bis zehn zählst, deine morgendlichen Runden läufst, oder auf dem Drachenrücken in den Wind schreist, dann denkst du an ihn. Er’s der Grund warum du (d)ein Selbstbewusstsein aufbaust, warum du anfängst an dich zu glauben, warum raue Gesten und ruppige Worte sich manchmal mehr nach Zuhause anfühlen. Er sagt: Junge und Charles und lässt dich Hosen aus seiner Jugend tragen, zeigt dir wie man sich rasiert (auch wenn du es nicht brauchst), wie du die Sense richtig hältst, nach jedem Fall wieder aufstehst; nochmal. Charles ist der Charmeur, der Schwerenöter, der Alleskönner. Großvater hat viele Worte für den Sohn, der du nicht bist, aber wie der du dich manchmal gerne fühlst. Charles hat Witz, dann wenn er auftaut und wenn er ein Glas zu viel trinkt, weil er meistens nicht viel braucht um gut angetrunken zu sein. Du lernst Befehlsketten einzuhalten, Pünktlichkeit, Loyalität. Dinge nicht infrage zu stellen, auch dann nicht, wenn aus Charlotte irgendwie Charles wird und sich das manchmal anfühlt wie ein Verlust. Manchmal wie ein Gewinn. Großmutter hält deine Hand als du da stehst, verwirrt, das Kleid an, die Brust abgebunden, zwischen den Stühlen während Großvater und deine Mutter sich streiten. Beide starren erwartungsvoll: sag doch auch mal was. [Charles, Er.] — Männlichkeit bedeutet was und bedeutet dann wieder gar nichts. Fühlt sich an wie viel zu große Hosen tragen, die ständig rutschen, als würden alle sehen das nicht passt. Und manchmal genau richtig, wenn du einer von den Jungs bist, wenn du dich besser fühlst, wenn deinem Körper die Rundungen fehlen, wenn du von hinten alles sein könntest, er, oder sie, oder er. Das passt perfekt, wenn du begreifst, dass Stärke und Schwäche und alles dazwischen dazu gehört, weil’s ein Wort ist, was alles und nichts bedeutet. Manchmal du. Manchmal nicht. Alles. Alles. Alles. Charlie. Du hältst die Hand hin; Charlie. Der Name den dein Dad damals ausgesucht hat und inzwischen passt er — perfekt. Charlie, das ist endlich wirklich alles. Charlotte, Charles, mein hübsches Mädchen, Junge — alles. Es ist das laute Lachen und der Schlag auf’s Bein dabei. Es ist immer nochmal weiter, weiter, weiter kommen wollen und anderen eine helfende Hand reichen. Da sein, wenn man dich braucht, immer, immer, immer. Das ist die starke Schulter, die nie einsackt und das Herz, das immer so sehr für andere schlägt. Das ist alle Briefe von der Familie aufheben und sich an schlechten Tagen vorlesen. Das bedeutet manchmal alles und manchmal gar nichts sein. Das sind schnellere, sichere Schritte und weiche Züge. Emotionalität, manchmal ungebremst, ungefiltert. Das ist der misstrauische Blick, die Sorge davor missverstanden zu werden. Das leichte Unbehagen in engen Räumen, der Dunkelheit und das — bist alles du. [Charlie, Du.] — alles was du sein willst und noch viel mehr.
18 Ingameposts | 22.05.2025, 19:44
Militär Navarre
gespielt von Jella
21 Jahre
Reiterin
Eine von vielen. War ich schon immer und wollt‘ auch nie was anderes sein. Eine von vielen Frauen, die den Namen Plorvis mit Stolz tragen. Mein Nachname hat mir das Reiterschwarz in die Wiege gelegt, aber ich hätte genauso gut Schmiedin werden können. Oder alles andere. Ich war es, die den bereits bereiteten Pfaden folgen wollte. Das war kein Zwang, nur Tradition, nur Familienehre und ein bisschen Träumerei. Ich wollte schon als junges Mädchen fliegen. Ich habe die majestätischen Wesen gesehen und konnt‘ mir nichts anderes vorstellen, als ihnen begegnen zu wollen. Wollte wissen, ob ich ihrer Magie würdig bin. Wynne Kara Plorvis war für mich schon immer mehr als nur ein Name. Ich glaub‘ zwar nicht an Götter, aber ich fühl mich von meiner Familie gesegnet. Ich habe vielleicht keine Stürme als meine Siegelkraft manifestiert, aber fühl mich wild, wenn ich auf dem Rücken meines Drachens die Lüfte erklimme. Muss grinsen, weil es sich nach Freiheit anfühlt, selbst wenn mein Drache mich für lange Zeit ans Militär bindet. Ich bin eine Plorvis, nicht nur im Namen, sondern auch im Gefühl, mit dem ich das Erbe meiner Vorfahren trage. Wir sind alle entschlossen, sie und ich. Und wir reichen uns auch die Hände oder die Waffen.
Eine von vielen war ich auch, als ich übers Viadukt getreten bin. Eine von weniger bin ich als Junior. Nicht alle von uns haben überlebt. Nicht alle von uns werden das nächste Jahr überleben. Aber ich rede mir ein, die um mich herum, die müssen. Ich bin zu viel Teamplayer, um nicht auch eine gewisse Verantwortung zu spüren, dafür zu sorgen. Kann die Kontrolle schlecht abgeben, aber muss es jetzt auch weniger, mit den Abzeichen auf meinem Arm. Staffelführung mit gerade einmal 21 Jahren. Das stand damals auf der Liste von meinen Zielen. Ich hab‘s erreicht und trage die Verantwortung doch nicht leichtfertig. Leben sind von meiner Leistung abhängig. Aber ich kann auch Entscheidungen treffen, anstatt sie nur hinzunehmen. Ich bin Soldatin, doch mit dem selbstständigen Denken konnt‘ ich trotzdem nie aufhören. Fällt mir also leichter, wenn ich auch ein bisschen mitreden kann. Meine Siegelkraft hingegen bereitet mir wortwörtlich Kopfzerbrechen. Mit dem Hammer in meiner Hand fühle ich mich sicher, mit dem Flegel kann ich gut umgehen, aber die Magie? Manche Tage frage ich mich, ob sie aus all den Widerworten rührt, die ich über meine zwei Jahrzehnte Leben gegeben habe. Meinungsstärke ließ mich häufiger diskutieren als aufgeben. Ich mach‘s auch heute noch gern. Die Magie anderer zurückzuwerfen indes ist mehr Herausforderung als Berufung. Ich lern‘s, weil‘s mein Überleben sichert. Bin eigentlich kein guter Spiegel, aber sehe Potenzial. Auch mein eigenes. Und ich lerne gern, selbst wenn‘s hart ist. Bin nicht gut darin aufzugeben, weder Menschen noch Aufgaben. Ich bin mir sicher, deswegen bin ich, wo ich bin. Deswegen bin ich, wer ich bin.
11 Ingameposts | 26.05.2025, 19:36
Basgiath War College
gespielt von Berrie
20 Jahre
Reiterin
Dein Pendel schlägt aus; nach links und nach rechts. Dein Pendel schlägt an; an Wände, Decken und Böden. Bist Gefangene deiner Emotionen. Irgendwann waren es Träume, vielleicht die Form von Ideal, die dir heute schmerzlich fehlt, die dich und die Entscheidungen, die du getroffen hast, geleitet haben. Heute ist es Wut. Wut, so unfassbar viel Wut, die in dir brodelt, die ihren Siedepunkt noch längst nicht erreicht hat und doch schon alles um sich zu zerreißen droht. In deinen Augen lodert’s, weil sie der Spiegel (d)einer Seele sind und wer nur einen müden Blick auf dich zu werfen wagt, wird schwerlich merken, dass hinter der gut gepflegten Feindseligkeit das Mädchen steckt, das du einst gewesen bist – oder hättest werden können, hätte das Schicksal dir nicht übel mitgespielt. Glaube ist dir in jeder Facette seiner Möglichkeit abhanden gekommen, verlor sich irgendwo zwischen den unterdrückten Schreien deiner Eltern, dem Geruch von Schwefel und verbranntem Fleisch und der Erkenntnis, dass du trotz aller Parolen und Allüren doch keine Ahnung von dieser Welt hast. Nicht davon, was es bedeutet, Teil von ihr – oder etwas Größerem – zu sein. Nicht davon, was es bedeutet, Opfer zu bringen. Du weißt nicht, was sie für dich bereithält, bist geprägt vom vorwiegend negativen Eindruck und der ständigen Erwartung des nahenden Todes. Die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben, auf von dir für dich gewählte Pflichten und Möglichkeiten, hast du mit den Kleidern abgestriffen, in die man dich gehüllt hat, bevor du Zeugin deines eigenen Scheiterhaufens wurdest. Hast sie abgelegt, als die Kutsche die Stadtgrenze Lewellens passiert hat. Mehr als tausend Striche hast du in das Holz geritzt und die Tage gezählt. Freiheit wirst du irgendwann finden, dessen bist du dir sicher. Vielleicht auf dem Rücken eines Drachen, vielleicht auf dem Grund des Brennofens, der deine Überreste Malek übergeben wird. Jetzt jedoch ist jeder Gedanke an das, was du hattest – oder hättest haben können – nur eins: grausam. Setzt sich trotz aller Bemühungen, dich davor zu verschließen und jede Trauer in noch mehr Wut umzumünzen, in jede noch so kleine Ritze deines Bewusstseins. Die Gefühle, sie prasseln auf dich ein, hast die Kontrolle längst verloren; vielleicht nie gehabt. Ertrinkst in ihnen, bist deine eigene Geisel, gegeißelt durch ein Leben, das du dir nicht gesucht hast. Durch Entscheidungen, die du nicht getroffen hast. Und immer, wenn du daran denkst, dann schlägt dein Pendel in dir an und du die Faust in die nächste Wand.
17 Ingameposts | 23.03.2025, 15:25
Basgiath War College
gespielt von Berrie
43 Jahre
Diplomatin
Das Besteck ist gold, wie der Käfig, der dich die längste Zeit deines Lebens gefangen gehalten hat. Spürst die Streben, das kalte Metall, noch unter deinen Fingerspitzen, wenn du die Hand von dir streckst. Spürst das Feuer in dir, wie es Stück um Stück zu ersticken droht. Wie es leise in dir züngelt, bis nur noch eine Idee von Nereyda übrig bleibt. Euch fehlt der Sauerstoff, buchstäblich die Luft zum Atmen, der Wind unter den Flügeln, die euch – dich und die Version von dir, die du gern gewesen wärst, aber niemals erreichen wirst – aufsteigen lässt. Stattdessen bist du gefallen, immer wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Hast immer wieder die Hoffnung in dir keimen lassen, auszubrechen, mehr zu sein, als das Abbild deiner Schwester. Irgendwann hast du das Ideal verfolgt, eine eigene Identität zu schaffen. (D)Einen eigenen Wert zu bestimmen, der über den Namen, den du trägst und das Gesicht, das dir im Spiegel begegnet, hinausgeht. Chancen hattest du viele – und keine. Sind dir durch die Finger geronnen wie die Lügen, die sich alsbald um deine Gelenke spannten, weil die Wahrheit meist so viel berechenbarer, so viel langweiliger war als das, was hinter ihr lauerte. Du hast gelernt, die Grenzen deines Käfigs auszudehnen, hast dich gegen das Gold gestemmt, überall dort, wo es dir dienlich war; und hast die Privilegien genossen, die damit einhergingen. Gab kein Spiel, in das du nicht involviert warst, keine Veranstaltung, kein Netzwerken, das dir nicht in die Karten spielte. Dass du Existenzen zerstört hast, ist nur ein weiteres kleines Kreuz auf deiner langen Agenda, die die längste Zeit kein Ziel verfolgte, außer der Tristesse zu entfliehen, die dein Leben beschrieb. Erfüllung hast du gesucht und doch erst in den Worten eines Predigers gefunden. Religion selbst war dir nie fremd, hast oft genug in der Thalora zu den Göttern aufgesehen, gehofft und doch nie gebetet, dass sie dich irgendwann erhören würden. Sie haben auf sich warten lassen. Nie hättest du gedacht, heute selbst die Gewänder anzulegen, die dich als Mitglied der Orakyn kennzeichnen. Nie hättest du gedacht, empfänglich zu sein für religiöse Splittergruppen und doch sind sie längst mehr als das. Sie – du! – haben sich in die Herzen der tyrrischen Bevölkerung geschlichen. Sie – du! – haben mit Milde und Großzügigkeit die Tyrannei, Völlerei und Ohnmacht der eigenen Regierung ausgeglichen. Du, du, bist Teil von etwas Großem. Von etwas, das Wert hat. Ob der Glaube so tief in dir verankert liegt, wie andere deiner Gruppe, mag fraglich sein, doch dein Einfluss ist ohne jeden Zweifel Gold wert. Ein bedeutungsschwerer Name – auch heute, auch, nachdem du dich offiziell von ihnen losgesagt hast –, Geld, Macht und Einfluss sind dir auch nach der Konversion geblieben, wollte man sich nie so ganz von dir trennen, die Hoffnung nicht aufgeben, dass du eines Tages in diesen goldenen Käfig zurückkehren würdest. Du hingegen bist immer noch auf der Suche nach dir selbst und dem Wert, den du in dieser Welt hinterlassen kannst. Oder: dem Wert, den die Welt in dir hinterlassen kann, denn die Leere in dir schreit so laut, dass auch die besten Lügen, Intrigen und Geheimnisse sie nicht verstummen lassen kann.
10 Ingameposts | 08.02.2025, 14:40
Zivil Navarre
gespielt von alice
22 Jahre
Reiter
Du solltest das Feuer fürchten.
Erst geht deine Heimat in Flammen auf. Dann deine Eltern; und mit ihnen alles, woran du dein Leben lang geglaubt hast. Auf den Schmerz folgt Traurigkeit, folgt Wut, folgt Sorge um deine Geschwister — du tobst drei Tage lang, am Vierten wachst du auf, schüttelst deinen verbissenen Trotz wie Staub von den Schultern und lächelst in die Gesichter der Menschen, die dich aufgenommen haben. Oh, du bist dankbar, so unsagbar dankbar (nicht). Für alles (eher für nix). Für jedes Training (dafür wirklich), für gemeinsame Ausflüge (ätzend), für alle sitzen jeden Abend zusammen und spielen Karten (du hasst das), für die Extra-Einheiten Geschichtsunterricht, die nur du bekommst, weil sie deinen Kopf geradebiegen möchten (du bist zu stur dafür), für Gesichter, die du kennenlernst, alles königstreue Menschen (alle dumm, alles Verräter, alles Lügner (so wie du)), für einen Garten voll mit Blumen (manchmal pisst du ins Rosenbeet), für eine Kerze auf deinem Geburtstagskuchen, weil’s der erste Geburtstag in einem neuen, besseren Leben ist (du pustet sie aus und wünscht dir, dass sie am Kuchenstück verrecken). Ooh, und du bist wirklich so unfassbar dankbar — für deine Eltern, die der Wahrheit ins Auge gesehen und dir deinen Blick dafür geöffnet haben. Für alles andere?! An dem Tag, als du mit federleichtem Gepäck über den Viadukt läufst, lässt du diesen erzwungenen Teil deiner Geschichte hinter dir. Dein Lächeln zum Abschied ist gespielt. Dein „bald sehen wir uns wieder“ klingt wie der Wunsch eines Jungen, der bekehrt wurde, jetzt glücklich ist; es klingt nicht nach der Drohung, die du damit wirklich meinst: wenn wir uns wiedersehen, brenn ich erst euren Garten nieder, dann euer Haus, dann euch und mit euch alles, woran ich keinen Augenblick geglaubt hab. Du kannst das gut: so tun als ob. Du lügst. Du passt dich an, weil du’s musstest und weil du am Leben hängst, weil du eben nicht aufgehört hast an das zu glauben, was deine Eltern dich von Kindestagen an haben glauben lassen wollen. Die ersten Wochen im Quadranten waren hart, kein Wunder, dass du lieber unter, na, deinesgleichen bist, da, wo du Freunde (wieder)gefunden hast, ein paar wenige Menschen, die sich dein sparsames Vertrauen geangelt haben, einer, der dein Herz hält. Dass unter deiner Haut und hinter deiner Stirn Rache tiefe Löcher frisst, das sieht man dir nicht an. Ja, du kannst die Ellenbogen und wenn’s sein muss auch die Fäuste zeigen, aber du lachst auch gern, du bist charmant, mit dir kann man Spaß haben, du hilfst den gezeichneten Rookies auf der Matte und im Training, denn darin bist du gut. Außerhalb vom Sparring versuchst du dich zurück zu halten, du kannst schweigen, wenn du willst, sonst hast du ein lockeres, loses Mundwerk, trägst dein Herz auf der Zunge, aber die Zunge, die ist scharf und deine Zähne sind das auch. Du beißt, passt man nicht auf. Und, ooh, du siehst verdammt gut aus, das weißt du, dafür müsst du nicht tun als ob. Und apropos, so tun als ob: dein Drache kann das auch. Was genau das heißt? Mhm. —
98 Ingameposts | 02.04.2025, 19:37
Basgiath War College
gespielt von Jani
50 Jahre
Reiter
Er hatte sein Leben für die längste Zeit in Schwarz und Weiß geführt: die Welt in strengen Gegensätzen betrachtet. Gut oder schlecht, richtig oder falsch, hell oder dunkel. Eine festgelegte Bewertung, ein klares Urteil – es hatte für Sicherheit gesorgt, hatte seine Zweifel minimiert und gewissermaßen seine Taten entschuldigt. Doch etwas hatte sich in ihm verändert: die Jahre seiner Gefangenschaft haben dazu geführt, dass er sich in den Grautönen des Lebens wiedergefunden hatte. In dem jede Entscheidung einen Schatten warf, wo die Gegensätze ineinanderflossen. Cain musste einsehen, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor – brauchte Zeit, zu lernen, was er in den ersten vier Jahrzehnten seines Lebens verpasst hatte. Die Farben und Nuancen wahrzunehmen, über die er früher hinweggesehen hatte. Sicherlich spielte es in das Scheitern seiner Rehabilitation ein: seine ständigen Gedanken, die nach dem Warum fragten. Wie konnte ein einfacher Streit soweit eskalieren, dass er etwas hinter sich gelassen hatte, was er für seine Ewigkeit gehalten hatte? An welchem Punkt hatte er die falsche Entscheidung getroffen, die ihn über Jahre hinweg in Poromiel gefangen gehalten hatte. Cain war sich sicher gewesen – vielleicht zu übermütig, vielleicht von dem Glauben geprägt, dass ihm nichts geschehen würde, weil Zihnal immer an seiner Seite gestanden hatte. Manche behaupten, dass dem auch weiterhin so gewesen war. Dass sein Überleben mit Glück zu tun gehabt hatte. Aber er selbst ist weit davon entfernt, es so zu nennen: seine Hoffnungen sind an dem Ort ebenso gestorben wie seine Fähigkeit, eine aktive Rolle im Krieg einzunehmen. Etwas, worauf er mühsam hingearbeitet hatte, was ihm genommen worden war, weil seine Gedanken ihn zu einer größeren Gefahr machten, als dass sie irgendjemanden von Nutzen waren. Verloren zwischen Albtraum und Realität, unsicher im Hinblick auf seine eigenen Gefühle – und die Absichten aller anderen – hatte er sich zurückgezogen. Hatte eingesehen, dass seine Gesellschaft nicht mehr unterhaltsam oder erheiternd war, sondern geprägt von Sorge und Mitleid. Und beides wollte er nicht zulassen. Wollte sich nicht als jemanden sehen, der repariert werden musste, weil die Spuren der Folter an seinem Körper auch niemals verschwinden würden.
Es hat ihn Geduld gekostet – mehr als er in der Vergangenheit besessen hatte – um einen Weg zu finden, mit seinem neuen Ich zurecht zu kommen. Zu tolerieren, welche Veränderungen von statten gegangen waren, welche Ängste sich in ihm befanden. Früher hätte er sich ihnen vielleicht gestellt, doch heute erträgt er sie im Stillen. Hat nicht die Kraft, an zwei Fronten zeitgleich zu kämpfen: dem Ziel zumindest seinen Körper wieder zur altbekannten Stärke zu verhelfen, wenn sein Geist vielleicht unweigerlich gebrochen war. Es war frustrierend für ihn: wie langsam er Fortschritte gemacht hatte. Wie viel Zeit er benötigt hatte, um einen Punkt zu erreichen, an dem er sich zum ersten Mal besser gefühlt hatte. Neue Perspektiven nicht abgelehnt, sondern sich offen ihnen gegenüber gezeigt hatte. Cain war nie davon ausgegangen, irgendwann einmal zu lehren. Dachte, dass er als Reiter den Tod finden würde, doch Malek hatte kein Erbarmen gezeigt und ihm stattdessen die Erfahrungen mit auf den Weg gegeben, die von Nöten waren, um den Überlebenskurs am Basgiath War College zu führen. Das Geheimnis, wie man tatsächlich an einem Ort überstand, an dem man dachte, zu sterben: einen Anker, mit dem man seinen Willen verband. In seinem Fall waren es die Vorstellung an seine Tochter – die Illusion, sich irgendwann für seine Fehler entschuldigen zu können. Sie hatten ihn durch die schwersten Stunden getragen. Hatten dafür gesorgt, dass er mehr ertrug, als er für möglich gehalten hatte. Aber sie änderten nicht, dass er inzwischen – weit weg der Finsternis, die ihn doch nicht gänzlich loszulassen schien – realisierte, dass es egoistisch von ihm wäre, sie zu suchen. Sie ausfindig zu machen. Und vielleicht ist es die größte seiner Wandlungen: dass er seinem Drang nicht nachgibt, sich selbst nicht über sie stellt und sich darauf besinnt, dass er nicht gut genug für sie ist.
21 Ingameposts | 09.02.2025, 14:38
Militär Navarre
gespielt von Jella
31 Jahre
Reiterin
Es gibt viele Rollen, die ich in diesem Leben schon füllen durfte. Rebellin war vielleicht die Netteste, Verstoßene die Tragischste. Gibt viele Schubladen, in die man mich stecken kann – Träumerin, Kämpferin, Enttäuschung, Eigenbrötlerin, Närrin – und doch nur einen Namen, den ich seit Geburt trage: Calanthe Ann Trevalion. Trage ihn noch, auch wenn meine Familie ihn mir am liebsten entziehen würde. Dabei bin ich für die meisten ohnehin einfach Cal, nicht die Frau, die von ihrer Familie verstoßen wurde. Ist der letzte rebellische Akt, dass ich den Nachnamen nicht ablege, dessen andere Träger von mir nichts mehr wissen wollen. Ist der letzte rebellische Akt, dass der Name, den ich trage, nicht mit den Werten gefüllt wird, die er fordert. Es gibt viele Bezeichnungen, die auf mich zutreffen, aber genauso viele, die es nicht tun. Ich wollte nie Hausfrau werden, nicht die Unterstützung sein, die zuhause wartet. Ich wollte raus aus den Zwängen, die mich hielten und bin doch in anderen neuen gelandet. Sie sehen besser aus, aber sind doch Zwänge. Das Schwarz, welches meine Gestalt seit mehr als einem Jahrzehnt die meiste Zeit kleidet ist mir zu farblos. Ist mir zu langweilig, als dass ich meinen Kleiderschrank nur damit füllen will. Ich bin Reiterin geworden, weil das keiner aus meinem näheren Umfeld wollte. Weil das leise „ich zeig’s dir“ schon immer in mein Herz eingraviert war und seinen Rhythmus bestimmt hat. Ich zeig’s dir, aber nicht immer in Schwarz, weil’s mir zu dunkel ist. Ich zeig’s dir, indem ich Jahr für Jahr überlebe, in dem ich das tue, was Frauen in meiner Familie nie tun sollten. Ich bin eigenständig, dabei war ich immer ein Teil von Zwei, bin ein Teil von Zwei, weil mein Zwilling an einem anderen Außenposten genau das tut, was von ihm erwartet wird. Hurra Doppelmoral! Feiert den einen, verstoßt den anderen. In meiner Familie war schon immer alles eine Frage des Geschlechts und ich hatte das Falsche. Dabei habe ich genau das Richtige, mag die filigranen Schwünge von Glitzer auf meinen Augenlidern, mag Frausein, auch wenn ich meiner Familie schon immer zu stürmisch darin war. Aus mir ist kein Sturm geworden, könnt vielleicht irgendwann dank meines Drachens und meiner Siegelkraft Sonnenstürme produzieren und bin doch nie so weit gekommen. Ich nutze Licht, aber nicht stürmisch. Nutz es magisch, weil es durch meine Hände fließt. Ich nutze Licht gegen die Schatten meines eigenen Lebens. Nutze es, um andere zu blenden. Könnte es nutzen, um zu verletzen und doch hat meine Stationierung es fast nie benötigt.
Ich habe mit meinem Weg über’s Viadukt von Abenteuern geträumt, von Heldentum und hab die Erwartungen doch an den Steilküsten meines letzten Außenpostens zerschellen sehen. Es gab viel Zeit zum Üben, gab viel Zeit für Einsamkeit und doch keine mehr. War damals ein Teil von Zwei, bin es heute wieder, aber anders. Das, was man mir und meinem Zwillingsbruder nachgesagt hat, ist, was mein Drache und ich wirklich leben: Ein telepathischer Bund. Nie wieder ohneeinander. Ich halt mich dran fest, weil das meine neue Familie ist. Weil das ist, worauf ich mich verlassen kann, genauso wie auf die Spur von Glitzer auf meinen Augenlidern. Bin irgendwann neben Träumerin, Rebellin, Enttäuschung, auch im Herzen Reiterin geworden. Ich fühl mich frei, wenn ich auf einem schuppigen Rücken durch die Lüfte segle. Fühle mich frei, wenn Magie durch meine Adern fließt. Es ist schön und ich fühl‘ mich dabei so unfassbar lebendig. Leben ist das Einzige, was ich immer wollte. Leben zu meinen Bedingungen. Leben so gut es geht, so lange ich kann. Leben, leben, leben. Bis zum letzten Atemzug, den ich irgendwann in hoffentlich weit entfernter Zukunft machen werde. Ich hab‘ die Fesseln abgelegt, die mich dran hindern wollten und keine neuen gefunden. Lebe, auch ohne Heldentum, vielleicht sogar besser ohne. Ich mag die Taverne, hinter deren Theke ich mich in Nymrith manche freie Stunde befinde. Mag das Chaos der neuen Hauptstadt Tyrrendors, auch wenn’s Trümmer eines Kampfes sind, aus der sie gewachsen ist. Bin Rebellin, aber war’s nicht in dem Fall, nur im kleinen familiären Umfeld. Trage Schwarz und mir steht’s gut, aber das Licht steht mir noch besser. Ich habe in meinem Leben schon viele Schubladen aufgezogen und Rollen ausprobiert, aber bin vor allem Cal. Ich, bis zum Ende und vor allem im Tanz dazwischen. Ich zeig’s dir. Zeig dir, wie man tanzt, wenn du willst.
13 Ingameposts | 14.04.2025, 08:42
Militär Navarre
gespielt von Jella
27 Jahre
Fliegerin
Mein Blick gleitet über die Akte zwischen uns. Akte 349 steht oben, in klaren dicken Lettern darunter mein Name. Rowena Averan. Niemand hat notiert, dass man mich im engeren Kreis nur Wren nennt oder wer meine Familie eigentlich ist. Es gibt nur die Benennung der Akte und meinen Namen. Ich hebe den Blick von dem Umschlag zum Gesicht mir gegenüber. Ich weiß nicht, was alles in der Akte steht, aber ich bin mir sicher ich werde zumindest Teile heute herausfinden. Also lächle ich freundlich, bin froh, dass ich meine langen Haare heute morgen zurückgebunden habe und meine Uniform frisch gebügelt ist. Professionell, aber nicht einschüchternd ist der Eindruck den ich machen will. Ich will ernstgenommen werden, auch wenn ich weiß, dass ich auf den ersten Blick nicht aussehe, als wäre ich zur Fliegerin geboren. Ich bin schmal, zierlich, trotz mittlerweile jahrelangem Training nicht wirklich muskulös. Ich strecke meine Schultern durch und warte. Warte darauf, dass man mich zu irgendetwas befragt, aber man bietet mir nur Kaffee an. Ich nehme das warme Getränk an, auch wenn es wohl kaum etwas gegen meine Anspannung tun wird. „Leutnant Averan, wir wollen heute über ihre Stationierung sprechen“, beginnt die Frau mir gegenüber mit einem Lächeln. Meine Stationierung. „Wir wissen, dass Sie eigentlich einen anderen Wunsch eingereicht hatten.“ Es stimmt, dass ich eigentlich gerne an die Grenze zu den Ödlanden gegangen wäre. Ich bin schließlich Fliegerin geworden, um unser Land zu beschützen und so schwierig unser Verhältnis zu Navarre auch ist, empfinde ich die Veneni derzeit als größere Bedrohung. „Wie ist es Ihnen seit Ihrem Abschluss ergangen?“ Ich blinzle. Ich habe nicht um dieses Gespräch gebeten, also kann es nur ein Versuch sein, Mitarbeiterinnenführung zu betreiben. „Ich gehe dorthin, wo ich gebraucht werde.“ Professionell und respektvoll. „Und in meiner Schwadron und auf dem Schiff ist meine Gabe recht nützlich.“ Ich bin nicht mehr ganz so frisch. Ich bin 27 Jahre und weiß langsam deutlicher, was ich will. Beispielsweise meinen Kameradinnen und Kameraden eine echte Hilfe zu sein. Sie haben mich nie anders behandelt. Wir wissen alle, dass sie es könnten.
„Und Ihre Eltern?“ Ich schweige, aber spüre wie die Anspannung unweigerlich in meine Kiefer zieht. „Die sind weiterhin in Draithus, dementsprechend muss ich für Besuche nicht allzu viele Urlaubstage opfern.“ Ahne, dass das nicht das ist, was sie wissen wollte. Es ist kein Geheimnis, dass die Averans bisher keine Fliegerinnen und Flieger hervorgebracht haben. Zumindest keine, deren Namen man behalten hat. Meine Familie ist bekannt für ihren Großgrund vor Draithus und in ganz Krovla. Einflussreiche Händler nennen sie uns, aber ich könnte auch einfach sagen, ich gehöre nicht mehr dazu. Mein Nachname erscheint mir seit geraumer Zeit nicht besonders hilfreich für die Wege, die ich gehen möchte. Wege, die sich nicht so leicht gehen lassen, wenn der eigene Nachname in die wichtigen Handelsabkommen mit Navarre verwickelt ist. Wenn der Einfluss bis in die Politik reicht und schlussendlich wohl auch dafür gesorgt hat, dass ich auf dem Schiff gelandet bin, anstatt an der anderen Grenze. „Sehr hilfreich, die Familie so nah zu haben.“ Ich verstehe nicht wirklich, was das zur Sache tut, aber ich nicke lediglich. Hilfreich, aber auch erdrückend. Ich liebe meine Eltern, aber wär‘ ihrem Geschäft gern schon vollends entwachsen. Ich würde ihren Einfluss gern ablegen, auch wenn ich weiß, dass er ein Privileg ist. Bin trotzdem zu oft Averan und nicht Wren. In meiner Schwadron ist’s anders. Da sehen mich die Meisten einfach nur als Soldatin. „Ich bin gerne auf See.“ Mein Versuch das Thema wieder umzulenken. Auf das Wasser, welches mich fasziniert. Auf die Weiten, die mich anderes vergessen lassen. „Und ich lerne auch die Grenzen der Telepathie auszutesten.“ Bis nach Draithus reicht man Radius lange nicht, wenn wir weit rausgefahren sind. Aber auf andere Schiffe. Oder an die Küste, wenn wir uns nähern. Es ist praktisch, auch wenn es sich an manchen Tagen noch immer seltsam anfühlt, telepathische Verbindungen mit anderen aufzubauen. Mein Gegenüber schlägt die Akte auf und notiert etwas. Ich lächle wieder, als sich der Blick zurück zu mir hebt.
11 Ingameposts | 02.06.2025, 18:39
Militär Poromiel
gespielt von Jani
39 Jahre
Reiter
Gute Geschichten bürgen oftmals eine gewisse Tragik, eine Prise Humor und eine Ebene des Verständnisses. Wenn man dies erst einmal verstanden hat, ist es einfach, Worte zu finden, um Feinheiten zu vermitteln. Einen anderen Ton einzuschlagen und Revolutionen zu lenken. In seinem Leben hat es schon immer zwei Möglichkeiten gegeben: den einfachen Weg mit dem Kopf durch die Wand oder den langwierigen, in dem es von Nöten ist, Pläne zu schmieden und Samen zu sähen. Eigentlich ein stiller Charakter ist die Bedeutung von Worten Riven schon immer bewusst gewesen – vielleicht durch seine Mutter, die ihm von früh an beibrachte, sie zu hinterfragen und einen eigenen Sinn in ihnen zu finden. Oder durch seinen Vater, der ihn lehrte, wann ein Scherz angebracht ist und wann man den Mund besser zu halten hat. Vielleicht lag es aber auch an all den Befragungen, denen er beigewohnt hatte. Den Erinnerungen, die er auf Befehle hin hatte löschen müssen und die den Meldungen der Führungsebene widersprachen. Venini und Wyvern – in seiner Kindheit nicht mehr als düstere Märchenwesen und heute die reale Gefahr für die Menschen des Kontinents. Er hatte anerkennen müssen, dass es ein Meisterwerk war: die Verbreitung der Lügen, das Verwischen der Grenzen und die Unsichtbarkeit der Intrigen, sind sie doch tief in den Alltag verwurzelt. Es hat eine gewisse Faszination in ihm geweckt, ein Spiel entfacht, in welchem Wissen vielleicht mehr wert ist als reine Kampfstärke. Wobei seiner Meinung nach das eine durch das andere bedingt wird: denn in den meisten Fällen geht Loyalität einher mit Vertrauen. Und wenn man erst einmal die Personen im navarrianischen Militär erkannt hat, die Zweifel haben, ist es kein Kunstwerk mehr, die Wahrheit zu nutzen, um sie von dem Vorhaben der Revolution zu überzeugen.
Riven hat sich selbst nie als Ratsmitglied gesehen – wurde gewissermaßen in die Rolle gedrängt. Manche sagen aufgrund seiner Erfahrung, manche begründen es in seiner Rhetorik, doch für ihn geht es damit einher, dass er als einer von Wenigen unbemerkt überlebt hatte. Kein Teil der Schlacht von Aretia gewesen war und die reine Zerstörungswut erst im Nachhinein vor Augen geführt bekommen hatte. Es hatte etwas in ihm verändert: der Anblick seiner verbrannten Heimatstadt. Menschen unter den Trümmern. Die Hinrichtung seiner Freunde. Die Scheu vor Verantwortung hatte etwas anderem Platz gemacht – dem Wunsch danach, dass nichts umsonst gewesen war. Dass die Bewegung nicht endgültig zerschlagen worden war. Da war Wut in ihm gewesen. Hass. Aber auch Unverständnis: schließlich liegt der wahre Feind nicht in Poromiel. Nicht einmal in Navarre, auch wenn es sich manchmal danach anfühlt.
23 Ingameposts | 09.02.2025, 14:37
Militär Navarre
gespielt von Jella
34 Jahre
Reiterin
Das zierliche Äußere gepaart mit ihrem bedeutungsträchtigen Nachnamen, möchte zunächst den Eindruck nahelegen, dass die Nichte des Königs ein privilegiertes, von Diplomatie und Glanz geprägtes Leben führt. Sicherlich stimmte das bis zu einem gewissen Grad, schließlich lässt Caitria mit Vorliebe auch dieser Tage noch alles in ihrem Leben leicht und ungezwungen erscheinen, hat den Bällen und geschichtsträchtigen Sälen aber schon vor einer Weile den Rücken gekehrt. Die Energie, die sie für den Anschein von Leichtigkeit aufwendet, entspringt dabei dem gar unerschütterlichen Brunnen an Unzufriedenheit. Schon als Kind war sie nicht sonderlich angepasst, wollte lieber auf Bäume klettern, als an Teepartys teilnehmen und fand schnell heraus, dass ihr der Widerspruch immer näher lag als Zuspruch. Im Grunde gab es nur einen Menschen in ihrem Leben, zu dem sie ohne jegliche Missgunst aufsah: ihren großen Bruder. Vielleicht war es die Tatsache, dass sie abseits der eigentlichen Königsfamilie schon immer im direkten Zentrum der Macht verkehrte, aber lange keine eigene spürte, vielleicht aber auch der Behandlung geschuldet, die sie als jüngste Tochter erfuhr. Cait, wie sie nur Freunde nennen dürfen, fühlt sich oft nicht ernstgenommen und hat ihre ganz eigenen Taktiken entwickelt, um damit umzugehen. Ihr typisch böser Blick ist nicht besonders ziemlich, stört er schließlich das zugängliche Bild, aber spätestens ihre Zeit im College hat ohnehin ein anderes gezeichnet. Der ein oder andere glaubt bis heute es waren ihren familiären Verbindungen zu verdanken, dass sie es schließlich auf den Rücken eines Drachens schaffte, aber jene, die sie kennen, wissen, dass Ehrgeiz sie bis in die tiefsten Winkel ihres Charakters erfüllt. Es in den Reiterquadranten zu schaffen war dementsprechend nicht nur eine Traumvorstellung, sondern ein von dem Weg ihres Bruders abgeleiteter Zwang.
Die innere Verbissenheit, mit der sie durch ihr Leben schreitet, wird nur denen auffallen, die es wirklich nah an sie heranschaffen, weil sie ihre Mitmenschen grundsätzlich gerne auf Abstand hält. Nähe macht schließlich angreifbar und somit verletzlich. In Caitrias Welt ist das meiste grundsätzlich erst einmal eine Zweckbeziehung, einzig ihre Familie hat eine uneingeschränkte emotionale Bedeutung und darf somit auch die wärmeren Farben ihres Charakters sehen. Alle anderen Bekanntschaften erleben sie wohl zunächst eher als gefühlskalt erleben. Im generellen Zusammenleben ist sie eher manipulativ anstatt als diplomatisch, in den meisten Fällen kommt der Angriff zuerst, bevor man überhaupt über Verteidigung nachdenken kann. Ihre Wut lodert nicht, sie vereist, aber ist in ihrer Logik gefangen nicht weniger gefährlich. Sicherlich machen sich auch gerade deswegen nicht allzu viele die Mühe, um die kaltherzige Schicht zu durchdringen, die ihr Inneres auch zum Schutz ummantelt. Schafft man es aber einmal ihre Anerkennung oder Zuneigung zu gewinnen, kann man sich sicher sein, eine höchst loyale Freundin gefunden zu haben. Dass sie im Militär deutlich weniger aneckt, als ihr Wesen schlussfolgern ließe, liegt in erster Linie wohl daran, dass ihre Form des Widerspruchs heute leise oder gar stumm geworden ist und ihre Form von Kriegsführung vor allem ihrem Intellekt folgt. Wenn man wie sie das Leben als Schachspiel sieht, ist es in vielerlei Hinsicht einfacher, Menschen zu bewegen, wenn diese gar nicht wissen, dass sie sich zu einer Figur gewandelt haben, als es mit roher Gewalt zu tun. Der Drang zu Letzterer steckt immer noch unter einem Haufen von antrainierter Selbstkontrolle, aber die Tage, in der sie Nasen brach, weil man sie einmal schief ansah, sind weitestgehend vorüber. Schließlich wäre das als Staffelführerin auch etwas weniger konstruktiv. Als besonders zärtlich werden ihre Staffelmitglieder sie dennoch keineswegs erleben. Ihre Ansprüche an Andere sind beinah so hoch wie eben jene, die sie an sich selbst hat und dementsprechend nicht immer ganz so leicht zu erfüllen.
17 Ingameposts | 08.02.2025, 14:11
Militär Navarre
gespielt von Berrie
37 Jahre
Sonstige
Deine Seele – brennt. Lichterloh. Da ist Feuer – in dir, an dir. Leckt an deinen Wunden, hinterlässt Narben, dickes Gewebe auf deiner Haut. Da, wo noch keine sind. Da, wo das Leben dich noch nicht gezeichnet hat. Sind nicht mehr viele Flächen frei davon. Überall, egal, wohin du gehst, hinterlässt du sie: verbrannte Erde. Zu deinen Füßen, als wären sie Teil deiner Identität, die Flammen. Als würden sie nicht nur in deinem Kopf züngeln und lodern. Ist keine Magie, die in dir pulsiert. Nur der Wahnsinn. Eine Vorstufe davon oder zwei. Bist ihm noch nicht verfallen, nicht ganz. Glaubst du. Kannst die Finger nicht danach strecken, kannst sie nur in Wunden legen, den Finger drehen, selbst welche zufügen und doch nicht reflektieren, wie verwundet du bist. Dass du dein Leid wie eine zweite Haut trägst, als Maske, immer dann, wenn du in den Spiegel blickst und – nicht sicher bist, was du siehst. Wen du siehst. Ist nicht mehr die Frau, die du warst. Ist jeden Tag eine andere. Amora, glaubst du, ist vor sechs Jahren gestorben. Amora, glaubst du, hat irgendwann gelebt. Ein gutes Leben gar. Heute, glaubst du, ist nicht mehr viel übrig von ihr. Oder: hundert neue Facetten, jeden Tag eine mehr. Heute, glaubst du, wird nicht sein wie gestern, nicht wie morgen. Heute fordert dich, aufstehen fordert dich, überleben fordert dich. Jeden Tag ein Stück vorankommen. Wär einfach, den Kopf in den Sand zu stecken. Aufzugeben. Wär einfach, diesen einen Schritt zu weit zu gehen. Den Abgrund unter deinem Fuß zu spüren, die gähnende Leere, die du in dir schon seit Jahren fühlst. Stattdessen: nicht diese Leere, sondern eine andere, an die du dich klammerst. Gehst zu weit, immer, immer wieder einen Schritt zu weit, diesen, den es braucht, um den Kick zu spüren. Um irgendetwas zu spüren. Meistens: Adrenalin. Ist pathologisch, krankhaft, was du brauchst, was du suchst. Die Sucht nach mehr ist so laut, dass sie die Finger des Todes, die sich nach dir recken, lauthals übertönt. Ihr mancher Tage doch die Hand reicht, wenn du nur knapp dem Angriff entgangen bist. Wenn die Klinge nur knapp deine Lunge verfehlt hat. Wenn die Hand um deinen Hals nur knapp den dringlich geforderten Sauerstoff freigibt. Du schrammst am Leben nicht weniger knapp vorbei, wie am Tod. Hast Maleks Schwelle so oft betreten – und lernst doch nicht. Lernst nur, dass du das brauchst. Weil dich der Anblick von (deinem möglichen) Tod so lebendig fühlen lässt, wie nichts sonst. Glaubst du. Sicher weißt du nichts. Nicht, ob das Gesicht in deinem Spiegelbild morgen noch dasselbe sein würde. Ob es ein ‘morgen’ überhaupt gäbe, für dich. Oder ob ‘heute’ an Maleks Hand endet. Und der Wahnsinn, der so eindringlich an deiner Seele nagt, nicht doch noch siegen würde. Über das kleine Quäntchen Verstand, das dir erhalten geblieben ist. In Trauer. In Wut. In Einsamkeit.
8 Ingameposts | 12.05.2025, 07:18
Zivil Poromiel
gespielt von alice
36 Jahre
Reiter
Dein Lachen ist ansteckend und ungehemmt, dein Lächeln ist offen und herzlich und ehrlich — mit dir in der Nähe kann man’s gut aushalten. Bist lieber leicht als schwer, siehst hin statt weg, bist hilfsbereit, bist aufmerksam und einfühlsam. Mama sagt, du hast eine zarte, liebevolle Seele. Hast als Kind verletzte Vögel aus dem Wald nach Haus getragen und kleine Schnecken vom Waldweg vorsichtig zurück ins hohe Gras gesetzt. Du schätzt das Leben und das fast ohne Ausnahme — kein Wunder, dass deine Siegelkraft das Gegenteil von einer der vielen verheerenden Mächte ist. Du zerstörst nicht, du lässt wachsen und neu entstehen und wächst dabei regelmäßig über dich selbst hinaus. Dass man dich nicht nur einmal (aber meist hinter deinem Rücken) als wandelnde green flag bezeichnet, hat nichts mit deinem Händchen für Pflanzen zu tun, sondern mit einem Herzen am rechten Fleck und einer Einstellung, auf die deine Eltern stolz sind — weil du die Werte, die sie dir mitgegeben haben nie verloren hast.
Fast nie. Dass du in der Schlacht von Aretia auf Seiten des Königreiches viel getan und viel gesehen und sehr viel verloren hast, hat deinen Schatten dunkelrot gefärbt und auch, wenn du dir davon heut nur noch selten etwas anmerken lässt (oder anmerken lassen willst), verändert hat’s dich trotzdem. Über die Zeit sprichst du so gut wie nie, noch weniger über die alte Verletzung, die nie komplett geheilt ist und dich nach besonders langen Tagen oder bei besonders heißem Wetter heimsucht; wie ein Geist, der mit Ketten rasselt und dich nicht vergessen lässt was fünf Jahre her ist. Nur, dass du dich darüber nicht definieren willst. Du bist ein lebensfroher und lebensbejahender und lebensschätzender Mensch, du hast die Frau für’s Leben gefunden, du liebst deine Familie, du hast Freunde und der Vater deiner Freundin ist wie ein Vater vor Ort für dich, wo dein eigener nicht so schnell erreichbar ist. Du rückst Nymrith immer wieder in ein hübsche(re)s Licht, weil du weißt wie viel Blumen und Bäume ausmachen können (Hoffnung, vor allem geht’s um Hoffnung). Du bist ein Kindermagnet und kannst ziemlich gut mit kleinen Menschen. Du stellst eigenen Honig her, hast die Bienen im Garten deines sozusagen (noch nicht ganz, aber hoffentlich bald) Schwiegervaters angesiedelt und manchmal bringst du heut noch ein verletztes Vögelchen nach Hause. Du bereitest Picknicke im Sonnenuntergang vor — auch, wenn dein Drache dich für deine romantische Ader still belächelt; ihr seid dennoch ein verdammt gutes und eingespieltes Team. Ihr fliegt zusammen immer mal wieder durch’s halbe Königreich um anfordernden Stützpunkten mit Nutzpflanzen die Versorgung zu erleichtern und du liebst es, das Rumkommen, das Aushelfen, aber du liebst es noch mehr danach wieder Zuhause zu sein. Bei ihr. Du liebst sie. Oh, und du wärst ein wundervoller Vater und hoffst, dass du das irgendwann auch wirklich bist. Du bist Leben und Liebe und Wachstum und Hoffnung und du bist ein guter Mann.
16 Ingameposts | 21.06.2025, 12:59
Militär Navarre
gespielt von Jella
28 Jahre
Reiter
In einem anderen Leben hätte aus Laertes Marcaigh ein Goldjunge werden können, in diesem aber war er immer mindestens eine offiziell geschlossene Ehe von dem goldenen Löffel entfernt. Glücklicherweise hat sich dieser Umstand nie auf sein sonniges Gemüt ausgewirkt. Als unehelicher – und tragischerweise einziger – Sohn des Herzogs von Morraine wuchs mit seiner Mutter abseits des adeligen Hofes auf und ist mittlerweile auch ganz froh darüber, dass er sich die Zwänge und Eitelkeiten des Adels ersparen konnte. Die Beziehung zu seinem Vater quasi nicht-existent, war die zu seiner Mutter immer warm und von einem Zusammenhalt gezeichnet, die sich auch durch sein bis heute geselliges Wesen zieht. Einsamkeit ist Laertes immer noch zuwider, eine Tatsache, die ihn seine Gedanken nur selten von seinem Drachen abschirmen lässt, schließlich ist eine nette Folge der telepathischen Verbindung auch, dass man im Grunde nie allein ist. Dass er den Weg zum Drachenreiter einschlagen würde, war nicht nur seine eigene Entscheidung, sondern auch ein Wunsch seines Vaters, der in einer strahlenden Militärkarriere die Möglichkeit sah, seinen Sohn in der eigenen Gesellschaft noch nachträglich zu etablieren. So bekam der Junge, dessen Blick am liebsten auf dem Horizont lag und dessen Füßen regelmäßig im salzigen Meerwasser steckten, doch noch ein wenig das teils angeborene Privileg zu spüren.
Die Idylle seiner Kindheit währte also nur ein paar Jahre, wohl aber lange genug, um seine ungestüme Art zu fixieren. War er früher vor allem deswegen auffällig, weil er sich jeder Herausforderung mit einem lauten Lachen stellte, so greifen seine inneren Stürme heute weitaus tiefer. Laertes Launen gleichen manchmal den Gezeiten des Meeres oder eben jenem Unwetter, welches seine Siegelkraft ihn mittlerweile zu Teilen beherrschen lässt. Die Jahre im Dienst sowie die Zeit im College haben ihm Dunkelheit gebracht, die seine laute Art manchmal einzudämpfen weiß, manches Mal aber genau das Gegenteil folgert und ihn mit Witzen und Humor über die Schatten hinwegtäuschen lassen will. Sein bleibender Optimismus wirkt manchmal mehr wie ein Zwang, als noch ein reines charakterliches Erbe seiner Mutter und doch hängt er daran fest, dass besser werden muss, was noch nicht gut ist. Diese Auffassung lässt ihn häufiger über seinen eigenen inneren Tumult hinwegsehen, aber es gibt ohnehin auch nur wenige Menschen in seinem Leben, denen es gelingt, ihn dazu zu bringen, über seine Gefühle, vor allem die Negativen, zu sprechen. Von einem Leben gezeichnet, in welchem auch Geldmangel das ein oder andere Mal eine Rolle spielte – schließlich war seine Mutter alleinerziehend – war Loyalität schon früh ein Anker in seinem Leben und eben jener Hang dazu, sich anderen Menschen zu verpflichten, macht ihn wohl dieser Tage immer noch zu einem guten Soldaten. Kameraden zu verlieren ist eine Konsequenz ihres gemeinsamen Dienstes, der Schutz des Landes und vor allem der Menschen, die er liebt, ist ihm dabei jedoch sein größtes Anliegen. Auch deswegen mag es auf den ersten Blick wundern, dass er mit seinem Staffelführer desertiert ist. Blickt man aber auf die genaueren Umstände, folgt es seiner Logik, schließlich sieht er in der neu erkannten Bedrohung eine viel größere Gefahr für seine eigentliche Heimat. Dieser Hang im Großen und Ganzen das Richtige tun zu wollen, ließ Laertes sogar seine große Liebe, also seine Verlobte, sowie seine kleine Schwester zurück und in dem Glauben lassen, dass er gestorben sei. Die Hoffnung, dass sie sich wieder sehen, treibt ihn trotzdem weiterhin an.
23 Ingameposts | 09.02.2025, 14:33
Militär Poromiel
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